Kilchoman „unpeated“ Sherry Hogshead Single Cask 554/2012

Fass-Nr.: 554/2012

Fassart: Sherry Hogshead

Fass befüllt: 23.08.2012

Flaschenabfüllung: 16.12.2019

Alter: 7 yo

Alkoholstärke: 56,3 % abv

Phenolgehalt: n/a ppm

Flaschenanzahl: 331 Flaschen

Flaschengröße: 0,7 l

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Wegen eines technischen Schadens an der Kiln produzierte Kilchoman im Spätsommer 2012 für eine kurze Zeit aus der farmeigenen Gerste einen »ungetorften« Whisky (wir berichteten).
Da der »low wines und feints receiver« aus dem bekanntlich die Spirit Still befüllt wird, nach den abwechselnd laufenden Brenndurchgängen mit getorftem Port Ellen-Malz nach Ardbeg-Spezifikation nicht aufwendig zwischendurch geleert wurde, ergab sich allerdings ein Whisky mit einer leichten Torfrauchnote, weshalb Kilchoman den Begriff »ungetorft« in Anführungszeichen verwendet. 75 Fässer wurden mit dieser Rarität befüllt. Im Februar 2020 wurden die ersten 2 Fässer davon abgefüllt.
Es handelt sich um zwei Sherry Hogsheads in denen der Whisky für gut 7 Jahre lagerte. Neben dem hier aufgeführten Fass 554/2012, das man bei der schwimmenden Whiskymesse »Viking Cinderella Whisky Fair« (13.-15.2.2020) verkosten und für 999 Schwedische Kronen kaufen konnte, wurde das Fass Nr. 553/2012 vom bekannten britischen Wein- und Spirituosenhändler Berry Bros. & Rudd vertrieben.

Geschmacksnotizen

Nase:
Überdeutliche Sherryaromen: Trauben, Rosinen, getrocknete Feigen und Datteln, Leder – nur wo ist da Kilchoman? Ganz dezent, aus dem Hintergrund kommend, eine feine Rauchnote. „Unpeated“ würde ich das nicht nennen. Wirkt sehr süß und dickflüssig. Schokolade der Sorte Rum-Traube-Nuss, Marzipan. Nach einiger Standzeit zeigen sich sehr ausgeprägte Gewürznoten: Muskatnuss, Pfeffer, Majoran, Rosmarin.

Geschmack:
Ölig, cremig, kräftig – und sehr süß. Ungewohnt für einen Kilchoman. Auch auf der Zunge diese sehr deutlich auszumachenden Sherryaromen. Leder und Tabak, roten Trauben, Rosinen, getrocknete Datteln. Etwas Zündholzabrieb. Trockenes Holz, milder, speckiger Rauch.

Abgang:
Im süßen, nicht allzu langen Abgang zunehmend Menthol. Die Süße der Früchte ist nach wie vor sehr durchdringend und dominierend. Mitunter meint man, durch all die Frucht die über die Jahre liebgewonnene, ganz besondere Kilchomannote herauszuschmecken. Allein, es bleibt ein frommer Wunsch.

Fazit:
Ein Kilchoman, der nicht nach Kilchoman schmeckt, sondern eher wirkt, als wäre er mit Sherry aufgefüllt worden. Das mag dasjenige Publikum ansprechen, das auch bei undisclosed Islay-Southcoast-Rauchern aus dem Sherryfass gerne zugreift. Richtiges Kilchoman-feeling kommt allerdings nicht auf.

83/100