11.4.2020 – Tasting Notes: Kilchoman Live Tasting vom 10.4.2020

Erste Eindrücke der Kilchomans aus dem Tasting-Pack für das Online-Tasting vom gestrigen Freitag:

Kilchoman Am Bùrach, 46%, Cask No. 4060

Nase
Überrascht mit floralen Noten: Schnittblumen, Frühlingswiese. Daneben aber auch ganz ordentlich Torfrauch, dazu warme Teerpappe und Salz. Mit der Zeit gegrillte Aprikosenschnitze, Pfirsich-Maracuja-Saft, Orangen.

Geschmack
Für 46 % ein vergleichsweise kräftiger und voller Antritt. Intensiver Rauch, Aprikosen, Pfirische. Weniger floral als in der Nase. Herbe Kräuter im Wechselspiel mit den Früchten. Hefeteig, dunkle Schokolade, frisch gemahlene Espressobohnen.

Abgang
Durch den kräftigen Rauch bleibt er lange im Mundraum erhalten. Aber es ist nicht alles nur Rauch (oder warmer Teer), nein, da kommen noch einmal die Früchte aus der Nase und vom Gaumen voll zur Geltung. Lecker.

Fazit
Der macht schon als kleines Sample richtig Lust auf mehr. Frucht- und Rauchanteil sind gut aufeinander abgestimmt, Jugend blitzt nur hier und da ein wenig durch.

Kilchoman Loch Gorm (2020), 46%

Nase
Weich und süß mit Beerenfrüchten (Brombeeren, schwarze Johannisbeeren), Trauben und Rosinen. Trockenes Holz und ganz dezenter Rauch. Kardamom und Zimt, ein klein wenig geriebener Ingwer. Nougatschokolade, Karamellbonbon, weicher Fudge.

Geschmack
Weicher und geschmeidiger Antritt, direkt wohldosierte Sherrysüße mit Rosinen, getrockneten Feigen, reifen Trauben. Auf der Zunge mit deutlicherem Rauch, wobei er sich nach wie vor mehr zurückhält, als dass er nach vorne prescht. Schokoladennoten und Kakaopulver nehmen die Fruchtnoten gut an, gehen eine enge Verbindung miteinander ein. Ingwer, Zimt, Currypulver.

Abgang
Mittellanger Abgang, zunehmender warmer Torfrauch, vermischt mit Rosinen und Trauben. Leder und eine milde Gewürzemischung setzen einen schönen Akzent.

Fazit
Sehr ausgewogene Einbindung der Sherryfässer. Nicht zu dominant, nicht zu blass, eigentlich genau richtig, um noch genug vom Brennereicharakter auf der Zunge zu haben.

Kilchoman 100% Islay Bourbon Barrel, Cask No. 191/2011, 55.3%

Nase
So direkt nach einem Loch Gorm ist der Unterschied frappierend: Volles Aroma eines Bourbon Barrels mit Vanille, Honig und Zitrone. Kalter Torfrauch, Hansaplast, getrockneter Seetang und Algen. Hat eine gewisse Schärfe, die allerdings nicht alkoholisch ist. Pfeffer und Paprikagewürz, Bohnenkraut, Thymian.

Geschmack
Überraschend weich im Antritt, verbreitet lediglich wohlige Wärme im Mundraum. Der Rauch eines erkalteten Lagerfeuers. Aschig, zitronig; lässt damit deutlich Ardbeg-Assoziationen aufkommen. Vanille, Honig, Karamell. Zunehmend trocken. Pfeffer und Chiligewürz, scharfe Paprika. Der gibt hinten raus aber noch mal ordentlich Gas.

Abgang
Mittellang, trocken, rauchig, zitronig. Die Gewürzkanonade von der Zunge ebbt langsam ab, er wird zahmer, wieder weicher.

Fazit
Gar nicht verkehrt, der 100% Islay in Fassstärke. Das wäre mal etwas, das ich gerne eine ganze Flasche lang erkunden wollen würde. Zum Vergleich dann einen Ardbeg mit ähnlicher Stärke dazu, um zu überprüfen, ob das mit dieser Ardbeg-Ahnung auf der Zunge auch wirklich hinkommt.

Kilchoman Fino Cask No. 294/2016, 59%

Nase
Bei 59% dachte ich, da kann in der Nase ja eigentlich nicht so wirklich viel kommen, aber weit gefehlt: Süße gelbe Äpfel und Birnen, geräuchert. Milder Rauch, der die Süße der Früchte angenommen hat. Zitronen und Mandarinenwasser. Currypulver.

Geschmack
Kräftiger Antritt, der sofort mit fruchtigem Rauch den Mundraum flutet. Trocken von Beginn an. Geräucherte Äpfel und Birnen, Erdbeermarmelade. Greifbare Süße auf der Zunge. Warmes Wellblech, Seetang, Salz, Maschinenöl. Vollmilchschokolade, frisches Heu.

Abgang
Noch im mittellangen Bereich, wobei zum Schluß der Rauch doch deutlich überwiegt. Toffee, Schokolade, Zimtschnecken.

Fazit 
Da mir der Laphroaig Cairdeas Fino Cask gut gefällt und ich auch ansonsten mit Fino Cask-Reifungen fast nur gute Erfahrungen gemacht habe, war ich sehr auf diesen hier gespannt. Meine Erwartungen hat er zwar nicht ganz erfüllt, dafür kommt für meinen Geschmack noch ein bisschen zu viel Jugend durch. Aber die Anlagen hat er, warten wir mal ab, wie er schmeckt, wenn er im Herbst diesen Jahres auf Flaschen gezogen wird.

Kilchoman New Make ‚Sanitiser‘ 63.5%

Nase
(Über-) deutlich Birne. Daneben warmes Metall, Pfeffer und Zitronat.

Geschmack
Schmeckt wie frisch aus der Brennblase, als ob er Kupferpartikel auf die Zunge transportieren könnte. Birnennoten, gelber Apfel. Sehr fruchtig und mit einer Rauchnote, die man fast nicht als solche identifizieren kann.

Abgang
Kurz und trocken, birnig und mit etwas Schokolade.

Fazit
Die Vorräte an eigenem Sanitiser sind (noch) gedeckt, der war mir für die Finger dann doch zu schade. Immer wieder aufs Neue spannend, New Make zu probieren. Auf der Grundlage dieses Ausgangsproduktes kann man immer wieder nur staunen, was so ein Eichenfass aus einem klaren, beinahe neutralen Destillat zu formen in der Lage ist.